Volkskrankheit Rückenschmerzen

Es ist ein Kreuz mit dem Kreuz, denn irgendwann bekommt fast jeder einmal Rückenschmerzen.

In den meisten Fällen liegen ihnen jedoch keine schwerwiegenden Krankheiten zu Grunde. 85% der Rückenbeschwerden haben unspezifische Ursachen wie Muskelverspannungen und Faszienverklebungen ausgelöst durch z.B Kälte oder allgemeinen Bewegungsmangel und einseitige Körperhaltungen. Die übrigen 15% haben eine spezifische Ursache wie z.B. einen Bandscheibenvorfall (Diskushernie) oder eine Spinalkanalverengung. 

Bei einem Bandscheibenvorfall drückt ein herausgequetschtes Stück der Bandscheibe auf einen Nerv. Derselbe Schmerzreiz kann von Abnützungen und Verkalkungen der Wirbelsäule herrühren, wenn sie den Spinalkanal verengen und dadurch auf einen Nerv drücken.

Seltenere Ursachen von Rückenschmerzen sind Entzündungen innerer Organe, Morbus Bechterew und andere Formen entzündlichen Rheumas, ferner Stoffwechselerkrankungen, Infektionen und Wirbelbrüche aufgrund einer Osteoporose. Auch die Psyche kann Auslöser für Rückenschmerzen sein. Arbeit, Mitmenschen, Familie, Beziehung- das soziale Umfeld stellt für viele Menschen eine Belastung dar und kann unangenehmen Schmerzen verursachen.

Aber wie lassen sich Rückenschmerzen vermeiden, welches sind Ihre neuralgischen Stellen und wie kann man die Wirbelsäule schützen?

Mit seinen 24 freien Wirbeln und 23 Bandscheiben plus Kreuz- und Steißbein und über 400 Skelettmuskeln ist unser Rückgrat ein Wunderwerk. Es trägt unser Körpergewicht, schützt unsere inneren Organe und ist dabei trotzdemäußerst flexibel und beweglich. Allerdings ist unsere zentrale Stütze auch anfällig für Beschwerden. Laut Umfragen haben mehr als die Hälfte aller Erwachsenen im Verlauf eines Jahres Probleme mit dem Rücken. Zwar verschwinden die meisten Beschwerden rasch wieder, aber fast bei jedem sechsten werden die Rückenschmerzen zum Dauerbegleiter.

Schwache Rückenmuskulatur als Auslöser

In mehr als 90 Prozent der Fälle werden Beschwerden im Bereich der Wirbelsäule durch schwache Rückenmuskulatur verursacht. Zu wenig Bewegung und Sport, dafür zu viele Kilos und zu viel Stress - das fördert Fehlhaltungen und Verspannungen. Je nach Auslöser machen sich die Kreuzbeschwerden dann an völlig unterschiedlichen Stellen bemerkbar. Wer die neuralgischen Punkte kennt, kann vorbeugen und, wenn die Schmerzen schon auftreten, gezielt gegensteuern und so für Linderung sorgen. Z.B wenn der Nacken schmerzt steckt häufig Stress dahinter. Er versetzt die Nackenmuskeln rund um den siebten Halswirbel in Dauerspannung.

Mein SOS-Tipp: eine Massage. Und so geht's: Kopf entspannt nach vorne neigen, beide Hände in den Nacken legen und mit dem Daumen leicht kreisend den Nackenansatz massieren. Der Knackpunkt im Kreuz ist meist die Lendenwirbelsäule. Sehr häufig sind ständige Fehlbelastungen die Ursache der Schmerzen. Tipp: zu schnelles und ruckartiges Heben oder Drehen vermeiden und Lasten immer auch aus den Beinen heben.

Wann zum Arzt bei Rückenschmerzen?

Bei länger anhaltenden Rückenschmerzen oder wenn Schmerzen mit einem Taubheitsgefühl, Kribbeln oder Lähmungserscheinunen einhergehen, sollte man dringend zum Arzt gehen. Die Therapie geht je nach klinischer Symptomatik von konservativen nichtoperativen Maßnahmen bis hin zur Bandscheibenoperation. Der konservative Therapieansatz besteht aus: Schmerzmitteln, Massagen Wärmeanwendung sowie Physiotherapie. Letztere soll zu einer Stabilisierung der Lendenwirbelsäule sowie einer Kräftigung der Rücken- und Bauchmuskulatur führen. Operative Eingriffe haben zum Ziel, die Nervenstrukturen von bandscheibenbedingtem Druck zu befreien. Oftmals ist es aber ausreichend, die Symptome mit entzündungshemmenden Präparaten und Schmerzmitteln erträglich zu machen und die Beweglichkeit durch eine Physiotherapie wiederherzustellen.

Vorbeugung durch Bewegung

Radfahren ist der Fitmacher Nr. 1 nicht nur für die Wirbelsäule.

Der regelmäßige Tritt in die Pedale stärkt den Rücken wie kaum ein anderer Sport - wenn die Sitzhaltung stimmt. Die ausgewogene körperliche Aktivität beim Radeln kann außerdem das Herzinfarktrisiko um mehr als 50 Prozent reduzieren. Radeln wirkt also sowohl für Herz und Kreislauf als auch für den Rücken wie echte Medizin und ist somit der ideale Sport, um fit zu bleiben oder wieder fit zu werden.

Generell empfehle ich daher: Mensch beweg dich!

Die beste Strategie, akuten oder chronischen Rückenschmerzen vorzubeugen, besteht darin, aktiv zu sein und körperliche Bewegungen in den Alltag einzubauen. Dazu lassen sich viele Gelegenheiten nutzen. Strecken und räkeln Sie sich zwischendurch auf dem Bürostuhl, steigen Sie Treppen und unternehmen Sie Spaziergänge. Suchen Sie sich eine Sportart, an der Sie Gefallen finden und für die Sie eine Begabung mitbringen. Die Lebensqualität steigt und bei moderater Ausübung auch das Lebensalter. Für den gezielten Muskelaufbau ist es daher nie zu spät.

Über die Autorin:

Dr. Amineh Solberg, Fachärztin für Allgemeinmedizin(D), Akupunktur, Naturheilverfahren

Dr. Amineh Solberg

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